Gökçen Dilek Acay

Landesstipendium für Bildende Kunst 2021 für Gökçen Dilek Acay
performativ installative Kunst

geboren am 19 November 1983, Istanbul
 
2016      Bauhaus Universität Weimar, MFA
               Medienkunst, DE
 
2015     3 rd. Preis für 'Young Generation Turkish
               Artist', von der Maçka Art Gallery und Sainte
               Pulchérie, Istanbul 
 
2012      Bauhaus Universität Weimar, Diplom in Freier
               Kunst, DE
 
2010      Exchange Program Minneapolis Collage Art
               and Design, USA
 
2009      Yildiz Technical University, Art and Design
               Faculty Violin Major BA, Istanbul, TR
 
2006-07 Exchange Program Franz Liszt Musik
                Hochschule, Weimar, DE
 
 

 

Jurybegründung 

Gökçen Dilek Acay arbeitet an der Schnittstelle darstellender und bildender Kunst. In ihrem performativ-installativen Werk lotet sie Gegensätze aus und führt sie in poetisch-inspirierender wie kritisch-verstörender Form zusammen.

Geboren 1983 in Istanbul, studierte Gökçen Dilek Acay zunächst Violine an der dortigen Yildiz Technical University. Anschließend nahm sie den Diplomstudiengang Freie Kunst an der Bauhaus Universität Weimar auf und schloss hier ihr Studium 2016 mit einem Master of Fine Arts in Medienkunst und Design ab.

 Gökçen Dilek Acays Interesse gilt den gesellschaftlich-politischen Bedingungen, innerhalb derer das Menschsein möglich ist. Oppressive Machtstrukturen, normierende Körperpolitik und einengende Geschlechterrollen werden mit künstlerischen Mitteln analysiert – trotz allem auf der Suche nach einer idealen Gesellschaft. Dabei bildet – in ihren Worten – das „menschliche Tier“ häufig eine Gegenfigur zum „brutalen Menschen“.

 Die Künstlerin arbeitet im wahrsten Sinne des Wortes mit „mixed media“ und verschiebt dabei die Genregrenzen: Fein gewirkte Gebilde aus Haar sind gleichermaßen dreidimensionale Zeichnung wie Skulptur, der vierfach geteilte Split Screen eines Videos wird zum Bild und Porzellangeschirr verwandelt sich zur Plastik.

 Es sind diese Übergänge zwischen den Zuständen und die Hybridformen, die unsere Sehgewohnheiten wie festgelegte Kategorien und zugeschriebene Bedeutungen in Frage stellen. Statisches wird in Bewegung versetzt, Anorganisches scheint auf wundersame Weise doch organisch, Totes wird lebendig und Mensch- und Tiergesicht verfließen zu einem bislang unbekannten Mischwesen. Zerstören und Erschaffen, Aggressivität und Zärtlichkeit, Theatrales und Introvertiertes, Hass und Liebe liegen immer dicht beieinander.

 Gökçen Dilek Acays Vorhaben für das Landesstipendium Bildende Kunst 2021 mit der SV SparkassenVersicherung verspricht mit seinem transkulturellen Ansatz das Überschreiten weiterer, nur scheinbar gegebener Grenzen und überzeugte damit die Jury. Schon lange mit Sticken befasst, will sie dieses traditionelle Handwerk mit den für sie neuen Techniken des Klöppelns und des Blaudrucks für eine großformatige Textilarbeit mit einer Audio- und Videoinstallation kombinieren. Dabei begreift sie das schaffende, meist von Frauen ausgeübte Tun mit der Hand als eine Länder und Kulturen überschreitende Praxis, die so etwa bislang nicht bekannte Verbindungen zwischen der Türkei und Deutschland aufzuzeigen vermag.

 Die Aktualisierung und Aneignung tradierter Handwerkstechniken im Kontext eines inhaltlich auf Machtkritik angelegten Werkes scheint äußerst vielversprechend. Gökçen Dilek Acays Fähigkeit, Vertrautes subtil ins aufregend Unvertraute zu verwandeln und bildstarke Metaphern für den Zustand unserer Gesellschaft zu finden, lässt uns das Ergebnis mit Spannung erwarten.

 

 Dr. Agnes Matthias

Mitglied des Kuratoriums der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen



 

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